11
April
2017
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00:00
Europe/Amsterdam

Das Kohlefeuer in den Griff bekommen

Kraftwerk Ibbenbüren: schwieriger Start, doch Probleme wurden gelöst; Vor 30 Jahren übernahm RWE die Regie im neuen Kraftwerksblock

Der Bau ging schnell: Er war im Wesentlichen nach vier Jahren fertig. Doch es dauerte lange, das Kraftwerk in Betrieb zu nehmen: Erst fast zwei Jahre später teilte RWE mit, dass sie die wirtschaftliche Nutzung des Kraftwerks Ibbenbüren, Block B, am „11. April 1987, 0.00 Uhr“ begonnen habe. Das ist jetzt 30 Jahre her.

Der Bau der Anlage auf dem Schafberg war im August 1981 begonnen worden. Mit ihrem 275 Meter hohen Schornstein setzte sie nicht nur landschaftlich ein Zeichen. Der Bau der Ersatzanlage für Block A war politisch gewünscht. Er sollte den Fortbestand des Ibbenbürener Steinkohlenbergbaus sichern. Die Verstromung von jährlich gut einer Million Tonnen Anthrazit sollte den absehbar wegbrechenden Absatz bei den Haushaltskunden wenigstens teilweise ausgleichen – und tausende Arbeitsplätze von Bergleuten und Zuliefern erhalten.

Das gelang. Doch es war ein hartes Stück Arbeit für die Ingenieure: „Das Problem war die Kombination des Brennstoffs mit der Größe und Technik unserer Anlage“, berichtet der heutige Kraftwerksleiter Hartmut Frank. „Anthrazit ist eigentlich die hochwertigste Kohlensorte. Und wegen des hohen Energiegehalts, der heißen Flamme und des niedrigen Aschegehalts ist Anthrazit ein guter Brennstoff in Kohleöfen. Doch diese Sorte Steinkohle ist sehr hart und macht eine Schmelzkammerfeuerung mit bis zu 1.500 Grad notwendig.“

Die Konstrukteure des Kessels mussten nicht nur die flüssige Asche beherrschen, sondern auch die Anlagen-Dimensionierung: Der Dampferzeuger in Ibbenbüren ist der größte Schmelzkammerkessel der Welt. Wegen der erforderlichen hohen Verbrennungstemperatur bildet sich bei dieser Technik besonders viel Stickoxid. Das erforderte den Bau eines aufwändigen Katalysators. Mit ihm wird das Stickoxid zu rund 92 Prozent aus dem Rauchgas abgeschieden und unschädlich gemacht. Damit unterschreitet das Kraftwerk Ibbenbüren den gesetzlichen Grenzwert deutlich.

Ende nächsten Jahres stellt die RAG Anthrazit Ibbenbüren GmbH die Kohleförderung ein. Sobald die Vorräte aufgebraucht sind, wird das Kraftwerk auf Kohle vom Weltmarkt zurückgreifen. Gut ein halbes Dutzend Züge pro Tag wird sie über das heutige Zechenbahngleis auf den Schafsberg bringen. Die Kohle kommt dann voraussichtlich aus Ländern wie Russland, Polen oder Südafrika. „Wir sind Mitglied der Initiative Bettercoal und werden auch für Ibbenbüren darauf Wert legen, dass die Kohle im Rahmen akzeptabler Umwelt- und Sozialstandards gewonnen worden ist“, stellt Kraftwerksleiter Hartmut Frank klar.

Heute beschäftigt das Kraftwerk rund 140 Mitarbeiter. Den Betrieb führt ein Team der RAG im Auftrag und für Rechnung von RWE. Die Anlage speist knapp 800 Megawatt Strom ins Netz ein – elektrische Energie für 1,3 Millionen Haushalte. Diese Leistung ist jederzeit abrufbar. Weil das Kraftwerk seine Leistung dank nachgerüsteter, moderner Leittechnik flexibel variieren kann, passt es sich perfekt den von Natur aus schwankenden erneuerbaren Energien an.