Köln/Essen,
29
August
2018
|
11:56
Europe/Amsterdam

Fall auf Knall

  • Absetzer 747 nach 60 Jahren Dienst erfolgreich zerlegt

Wenn ein Rauchkringel nicht nur das Kunststückchen eines Rauchers ist, sondern auch das eines Sprengmeisters, dann hat Michael Schneider seine Arbeit gestern wirklich gut gemacht: Mit 63 Kilogramm Sprengstoff zerlegte er den ausgedienten Absetzer 747 im Tagebau Inden.

Ein Knall, und das Großgerät sackte binnen Sekunden in sich zusammen. Ein Rauchkringel entstieg der Staubwolke und setzte sich krönend vom sichtbar werdenden Schrotthaufen ab.

Als sich der Staub ganz verzogen hatte, sahen Sprengmeister Schneider und Tagebauleiter Andreas Wagner aus sicherer Entfernung: Alle 155 Ladungen Hexogen hatten gezündet und den Stahl an statisch entscheidenden Stellen durchgesengt. „An den Schnittstellen ist der Stahl schlicht verdampft“, erklärte Tagebauleiter Wagner der Presse das Abwrackverfahren. Seitdem liegt der ehemalige Rekultivierungs-Riese optimal für die Demontage auf der Nase. Bis Ende November werden die 2.000 Tonnen Stahl auseinandergeschnitten und Richtung Hochofen zum Recycling wandern.

Der 160 Meter lange und 43 Meter hohe Absetzer hat in seinem Arbeitsleben rund 600 Millionen Kubikmeter Erdreich für die Rekultivierung verteilt – in den Tagebauen Zukunft, Zukunft-West und Inden. In den letzten zehn Jahren war er an der Kieswäsche des Tagebaus im Einsatz. Steiger Frank Hardt war in einem langen Abschnitt seiner 37-jährigen Laufbahn als Geräteschlosser für den Absetzer zuständig: „Natürlich ist man ein bisschen wehmütig. Ich kannte jede Schraube an dem Gerät.“

Andererseits sei der Absetzer bauartbedingt reparaturanfälliger gewesen als die anderen Geräte seiner Kategorie. Er war vor Jahrzehnten von Schienen auf vier eigene, sehr lange Raupenfahrwerke mit zusammen 32 Antrieben gestellt worden – keine gute OP. Zwar blieb er sehr leistungsfähig, was die Verkippung von Abraum angeht. Er war aber Zeit seines Arbeitslebens eher fußlahm. Deshalb diente er in den vergangenen zehn Jahren als Revier-Reserveabsetzer und als ortsfester Kies- und Sand-Verteiler im örtlichen Werk der Rheinischen Baustoffwerke GmbH, einer RWE-Power-Tochter. „Die Kiesaufbereitung läuft wegen der fehlenden Kiesmengen im Tagebau Inden aus. Deshalb kann der Absetzer auf den Schrott“, berichtete Projektleiter Lars Krone. Die Sprengung war wirtschaftlicher als ein Rückbau des 60 Jahre alten Großgeräts.