13
Juli
2016
|
00:00
Europe/Amsterdam

GuD-Anlage Lingen – ein echter Sprinter: Weltrekord unter Marktbedingungen

In nur 45 Minuten sind 540 Megawatt am Netz

Das Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk (GuD) in Lingen hat einen echten Meilenstein erreicht: In der vergangenen Woche wurde die Anlage zum ersten Mal auf Grund von Marktanforderungen im Schnellstart angefahren – in 45 Minuten brachte sie 540 Megawatt ans Netz. „Das ist Weltrekord“, freut sich Kraftwerksleiter Dr. Hans-Peter Flicke. Die weltweit modernste GuD-Anlage war sie bereits bei der Inbetriebnahme im Jahr 2009, nun ist sie – unter Marktbedingungen nachgewiesen – auch die schnellste.

Theoretisch war dieser Kaltstart – als gezielte Möglichkeit, zusätzliches Geschäft zu generieren – seit Herbst 2014 möglich. Damals wurden während der Sommermonate, in denen die GuD-Anlage aus wirtschaftlichen Gründen konserviert war, Optimierungen der Leittechnik und ein Anlagenumbau vorgenommen. Die Gasturbine kann hierdurch ohne den nachgelagerten Dampfkreislauf betrieben werden, was zu einem erheblich beschleunigten Anfahrvorgang führt. Zuvor waren für das Anfahren der 900 MW-Gesamtanlage, bestehend aus Gasturbinen und Dampfkreislauf, rund 3,5 Stunden zu veranschlagen.

In der vergangenen Woche ist diese Leistung erstmalig konkret nachgefragt worden. Und Lingen lieferte. Kraftwerksleiter Flicke kommentiert nicht ohne Stolz: „Das wir nun etwa zwei Drittel der gesamten Blockleistung in nur 45 Minuten dem Strommarkt zur Verfügung stellen können, zeigt wie flexibel unsere Anlage auf die volatile Einspeisung der erneuerbaren Energien reagieren kann.“

Das Bereithalten von Kraftwerken für den Anforderungsfall hat seinen Preis – das derzeitige Strommarktdesign sieht aber nur die Bezahlung von produziertem Strom vor. „Der Handlungsbedarf ist groß. Wir brauchen einen dezentralen Leistungsmarkt, mit dem das Vorhalten gesicherter Kraftwerkskapazität honoriert wird, damit hochmoderne Kraftwerke wie in Lingen, auch eine Perspektive haben und die Energiewende unterstützen können“, erläutert Flicke.

RWE Generation SE

Die RWE Generation SE, Essen, verantwortet die konventionelle Stromerzeugung des RWE Konzerns. Das Unternehmen vereint unter seinem Dach die Expertise von fast 16.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Deutschland, Ungarn, Großbritannien, den Niederlanden und der Türkei. Gemeinsam betreiben sie Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von über 40 Gigawatt. Die mit Kohle, Kernkraft, Erdgas oder Wasser betriebenen Kraftwerke tragen mit ihrer gesicherten und flexiblen Leistung dazu bei, dass die Versorgungssicherheit im europäischen Stromnetz bei einem stetig wachsenden Beitrag aus erneuerbaren Energien erhalten bleibt.