30
November
2016
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00:00
Europe/Amsterdam

Hambacher Forst: Gewalttäter nehmen bewusst Gefährdung von Menschenleben in Kauf

Schwerer Unfall eines Sicherheitsfahrzeugs nach Steinbewurf

Im Hambacher Forst ist es heute Vormittag erneut zu einem massiven gewalttätigen Übergriff gekommen. Ein Fahrzeug eines Partnerunternehmens, das im Auftrag von RWE Power die Rodungsarbeiten sichern sollte, wurde auf der Landstraße L 276 in der Nähe der ehemaligen Anschlussstelle Kerpen-Buir angegriffen und mit Steinen beworfen. Der Fahrer verlor die Kontrolle über das Fahrzeug, das von der Strecke kam und sich mehrfach überschlug. Die vier Insassen wurden verletzt und mussten zur Versorgung ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Das Fahrzeug wurde schwer beschädigt. Die Polizei Aachen sprach von einem „lebensgefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr“. Die Eskalation der Gewalt durch so genannte Aktivisten hat eine neue Stufe erreicht. Alleine in diesem Jahr hat RWE Power über 130 Straftaten zur Anzeige bringen müssen; darunter gravierende Anschläge auf die Stromversorgung der Tagebaue Inden und Hambach, zum Teil schwerwiegende Brandanschläge auf Versorgungseinrichtungen der Wasserwirtschaft und des Bahnbetriebs sowie mehr als 30 Angriffe gegen RWE- und Partnerfirmenmitarbeiter.

Die rote Linie zwischen friedlichen Protesten und der bewussten Gefährdung von Menschenleben ist längst überschritten. Angriffe auf Polizisten und Beschäftigte wie auch Sabotageakte und Brandschlägen sind kriminelle Handlungen. Wer sich so verhält, bewegt sich außerhalb unserer demokratischen Gesellschaft. Dass durch Rechtsbrüche Industriebetriebe an ihrem Weiterbetrieb gehindert werden sollen, ist nicht hinnehmbar. Eine klare Distanzierung von diesen Gewalttätern ist dringend geboten.

Zur weiteren Einordnung

Beim Thema Hambacher Forst dürfen wichtige Fakten nicht ausgeblendet werden: Die NRWLandesregierung hat im Rahmen der Leitentscheidung zum Tagebau Garzweiler in diesem Sommer erneut auch die energiewirtschaftliche Notwendigkeit des Tagebaus Hambach in den genehmigten Abbaugrenzen bestätigt. Dies liegt auch den laufenden Umsiedlungen von Manheim und Morschenich zugrunde. Der Tagebau trägt mit seiner Braunkohle zu rund 15 Prozent der Stromerzeugung in Nordrhein-Westfalen bei. Dabei ist der Betrieb eines Tagebaus ein hochkomplexes System, das nicht ,einfach so‘ unterbrochen werden kann. Da der Wald mitten im Abbaugebiet liegt, kann nicht um den Wald herumgebaggert werden. Jetzt nicht zu roden, käme dem Stillstand des Tagebaus gleich. Die aktuell laufenden Rodungen sind aus technischen Gründen erforderlich und entsprechend genehmigt. Rodungen auf „Vorrat“ gibt es nicht.

Mit einer sorgsamen, weltweit anerkannten Rekultivierung wird ein Ausgleich für den Hambacher Forst geschaffen. Auf der komplett aufgeforsteten Sophienhöhe wurden bisher über 10 Millionen Bäume neu gepflanzt, die ältesten Bestände bereits 1978. Das gesamte Waldgebiet aus Altwald und Rekultivierung ist heute ein geschätztes Naherholungsgebiet mit mehr als 120 Kilometern Wanderwegen. Der Artenreichtum des Gebiets ist nachgewiesen groß. Insgesamt werden am Ende der Laufzeit des Tagebaus über 3.500 Hektar wieder aufgeforstet sein. Unter dem Strich werden alle Tagebaue im Rheinland eines Tages mehr Wald hinterlassen, als sie in Anspruch genommen haben.