Essen,
21
Dezember
2018
|
00:00
Europe/Amsterdam

"Konrad" und zwei "Friedrichs" machen Pause, die Reparaturteams nicht

•Fachleute von RWE und Partnerfirmen über Weihnachten im Einsatz

„Es klatscht keiner Beifall, wenn er über die Feiertage arbeiten muss“, berichtet Maximilian Bernrath, Leiter Anlagentechnik im Kraftwerk Weisweiler. „Doch die Kollegen haben Verständnis dafür: Es ist besser, an den eher ruhigen Weihnachtstagen zu reparieren als an Tagen, wo besonders viel Strom benötigt wird.“ Rund 35 RWE-Mitarbeiter und weitere fast 50 Partnerfirmen-Kollegen sind bis zum 29. Dezember damit beschäftigt, den Dampferzeuger von Block F zu reparieren. „Damit ,Friedrich‘ mit seinen 300 Megawatt verfügbar ist, wenn der Strombedarf wieder anzieht“, erläutert Bernrath.

Von Heiligabend, 12 Uhr, bis tags drauf um 6 ruhen die Arbeiten allerdings. Das ist das Zeitfenster, das den beteiligten Instandsetzern für Weihnachtsbraten, Bescherung und Kirchgang bleibt. Im RWE-Kraftwerk Neurath wird durchgearbeitet: Der 1.000-Megawatt-Block F geht heute Abend für eine Kesselreinigung vom Netz. In der Heilige-Nacht-Schicht sind dort vorwiegend Partnerfirmen-Mitarbeiter im Einsatz, die muslimischen Glaubens sind. Da in deren Familien das Weihnachtsfest nicht von solch hoher Bedeutung ist, haben sich viele von ihnen freiwillig zum Einsatz bereit erklärt, um den anderen Kollegen eine entsprechende Auszeit zu ermöglichen. Ansonsten versucht Abteilungsleiter Piotr Olkowski, selber Vater zweier Kinder, das rund 100 Mann starke Team zu den „besonders weihnachtlichen“ Uhrzeiten familien-freundlich auszudünnen. In der Silvesternacht macht die gesamte Mannschaft zwölf Stunden Pause.

Rund zwei Millionen Euro investiert Betreiber RWE Power in den jährlichen sogenannten Boxenstopp. Es gilt, die angesammelten Anbackungen von Aschebestandteilen an den Kesselrohren der 1.100-MW-Anlage zu lösen. Sie mindern den Wärmeübergang vom Feuer aufs Kesselspeisewasser in den Rohren, die aneinandergelegt von Grevenbroich bis Lissabon reichen würden. Und weniger Dampf bedeutet weniger Effizienz. Im hochhausgroßen Innenraum des Kessels wird ein Gerüst aufgebaut. Von dort aus werden Arbeiter die Anbackungen mit Meißeln bearbeiten. Olkowski: „Und wenn auch ein dünnwandiges oder schadhaftes Kesselrohr entdeckt wird, müssen Schweißer das betroffene Stück auswechseln.“ Am 3. Januar, wenn die Kurve des Strombedarfs wieder nach oben schnellt, soll „Friedrich“, wie auch der Neurather Block F im Jargon der Kraftwerker heißt, wieder am Netz sein.

Etwas mehr Zeit, dafür auch eine größere To-Do-Liste, haben rund 400 Instandhalter im Kraftwerk Niederaußem. Auch dort wird eine Anlage der neuesten Generation, Block K wie „Konrad“, zum Schauplatz einer Kesselreinigung. Die damit verbundenen Arbeiten und begleitende Reparaturen werden voraussichtlich bis zum Dreikönigstag, dem 6. Januar, dauern. Kenner des Kraftwerks, wie etwa die Nachbarn in Niederaußem, wissen: In dieser Zeit bleiben die Dampfschwaden über dem Kühlturm aus. Konrads Kollegen sind dagegen einsatzbereit und werden die Versorgung von Millionen Haushalten auch über den Jahreswechsel sicherstellen.

„Die betroffenen 600 Kollegen, die Mitarbeiter der Partnerfirmen und ihre Familien nehmen eine Menge Einschränkungen über die Feiertage in Kauf. Aber im Winter mit seinem hohen Strombedarf sind die Tage von Weihnachten bis Neujahr die einzige Möglichkeit, dringende Reparaturen zu erledigen und Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Das wissen die Kollegen natürlich. Für ihre Arbeit und für ihr Verständnis für die Notwendigkeiten bin ich sehr dankbar“, freut sich RWE Power-Vorstand Lars Kulik.