Biblis,
25
September
2018
|
08:02
Europe/Amsterdam

Kraftwerk Biblis: Sicherer Abbau nimmt Fahrt auf – Meilenstein Brennelementfreiheit in Block B erreicht

71. Kraftwerksgespräch gibt Überblick über aktuelle Entwicklungen am Standort

„Wir haben das erste Jahr nach Erteilung der Genehmigung für einen sicheren und erfolgreichen Abbau genutzt. Die Ergebnisse der ersten Abbauprojekte innerhalb der Anlage werden sichtbar", so Horst Kemmeter, Leiter des Kraftwerks Biblis, vor rund 100 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft beim mittlerweile 71. Kraftwerksgespräch. Mit der Ausnutzung der Genehmigung für die Stilllegung und den Abbau im Juni 2017 befindet sich das Kraftwerk Biblis seit über einem Jahr im Abbau. Schwerpunktarbeiten sind weiterhin die technische Stillsetzung und der Abbau von Systemen in den Raumbereichen, in denen neue Technik zur Bearbeitung und Behandlung aufgebaut wird. Aufgabe dieser neuen technischen Infrastruktur ist es, die abgebauten Rohrleitungen und Komponenten zu zerkleinern, zu reinigen und somit das Volumen des radioaktiven Abfalls während des Abbaus deutlich zu reduzieren. Zwischen den beiden Blöcken konnte der Bau einer Pufferlagerfläche abgeschlossen werden. Auch die Entkernung der Kühltürme geht planmäßig voran.

Mittels aktueller Filmsequenzen aus dem Reaktorgebäude von Block B sowie vom Ausschleusen des Behälters konnten sich die Gäste mit eigenen Augen davon überzeugen, dass der wichtige Meilenstein „Brennelementfreiheit Block B" erreicht wurde. Der Castorbehälter mit den letzten Brennelementen konnte am Sonntag, 23. September 2018 das Reaktorgebäude verlassen und in das Standortzwischenlager eingelagert werden.

Der weithin sichtbare Bau eines weiteren Lagers für schwach- und mittelradioaktive Abfälle (LAW II) ist ebenfalls weit fortgeschritten. Der Rohbau ist seit Anfang des Jahres fertiggestellt und die Inbetriebnahme für Ende 2018 vorgesehen. Im Rahmen der Neuordnung der kerntechnischen Entsorgung werden das Standortzwischenlager mit den Brennelementen sowie die beiden Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle zum 1. Januar 2019 bzw. zum1. Januar 2020 in die Verantwortung der bundeseigenen Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) übergehen.

In Vorbereitung auf den im Oktober beginnenden Ausbau der vier Dampferzeuger pro Block, ist innerhalb des Reaktorgebäudes von Block A der Abbau der Hauptkühlmittelleitungen bereits weit fortgeschritten. „Das erste Jahr im Abbau zeigt, dass unser Ziel, die Gebäude in rund 15 Jahren aus dem Atomgesetz zu entlassen, absolut realistisch ist", resümiert Horst Kemmeter.

Ein weiterer wichtiger Meilenstein war die Einführung einer neuen Organisation im Kraftwerk zum 1. Juli 2018. In enger Zusammenarbeit mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den Arbeitnehmervertretern konnte nach einem zweijährigen behördlichen Genehmigungsverfahren eine schlanke und auf den Abbau ausgerichtete Organisation eingeführt werden. Dabei gilt bei allen Arbeiten, dass die Anlagen-, Arbeitssicherheit und der Gesundheitsschutz oberste Priorität haben. „Die Einführung der neuen Organisation gibt unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine klare Perspektive und fokussiert uns auf den sicheren Abbauprozess", erklärt Kemmeter.

Die 2015 ins Leben gerufene Informations-Initiative „KW Biblis transparent" wird auch während des Abbaus weiter fortgesetzt, um mit gezielten Dialogangeboten die verschiedenen Interessensgruppen zu informieren. „Transparenz schafft Vertrauen und Akzeptanz. Wir haben positive Rückmeldungen zu unseren zielgruppenspezifischen Angeboten und daher werden wir an unserer Initiative selbstverständlich weiter festhalten", so der Kraftwerksleiter abschließend.

Bei einer anschließenden Podiumsdiskussion diskutierten Felix Kusicka (Bürgermeister Biblis), Dr. Hauke Grages (Nukem Technologies Engineering Services GmbH), Dr. Michael Hoffmann (BGZ - Gesellschaft für Zwischenlagerung mbH), Gabriele Strehlau (Kaufmännische Geschäftsführerin RWE Nuclear GmbH, Leitung Kernenergiecontrolling RWE Power AG) und Kraftwerksleiter Horst Kemmeter über die aktuellen Aufgaben und Herausforderungen für das Kraftwerk und die Region.