Essen,
01
Oktober
2018
|
15:50
Europe/Amsterdam

RWE Generation SE

Nach mehr als 100jähriger Geschichte: Heizkraftwerk Bochum geht außer Betrieb

  • Kraftwerksleiter Clemens: „Das HKW Bochum war jahrzehntelang Garant für sichere, kostengünstige Wärmeversorgung.“

  • Vorbereitungen angelaufen für Stilllegung zum Jahresende und Vermarktung der Flächen

Bochums bekannteste Heizung ist Geschichte: Am Morgen des 1. Oktober hat das Heizkraftwerk Bochum (HKW Bochum) der RWE Generation endgültig seinen Betrieb eingestellt. Damit endet eine mehr als 100jährige Geschichte der Energieerzeugung am Standort Bochum.

In einer kleinen Feierstunde würdigten Mitarbeiter die Historie des Kraftwerks. Dabei betonte Kraftwerksleiter Niklas Clemens: „Unser Heizkraftwerk war für Opel, Stadtwerke und Ruhr-Uni jahrzehntelang Garant für sichere, kostengünstige Wärmeversorgung. Die Stadtwerke Bochum und die Ruhr-Uni haben den Aufbau eigener Wärmeerzeugungs-Anlagen inzwischen abgeschlossen. Somit beginnen wir jetzt die Vorbereitungen für die Stilllegung des Kraftwerks zum Jahresende und die geplante Vermarktung der Betriebsflächen.“

Um die Inbetriebnahme der neuen Fernwärmeanlagen von Stadtwerken und Ruhr-Uni abzusichern, hatte das HKW Bochum seine Wärmelieferungen 2018 mehrfach verlängert.

Techniker benötigen nun noch etwa drei Monate, um aus den Anlagen Betriebsmittel wie etwa Öle sicher zu entfernen und zu entsorgen. Dabei erreicht das Kraftwerk in Kürze einen Zustand, ab dem ein weiterer Betrieb nicht mehr möglich ist. Die Gebäude und die betriebsmittelfreien Anlagen am Standort bleiben zunächst stehen. Für die Vermarktung des neun Hektar großen Industriegrundstücks einschließlich der Anlagen ist RWE bereits in Gesprächen mit Investoren.

Für die verbliebenen Mitarbeiter hat RWE Generation einvernehmliche, sozialverträgliche Lösungen gefunden.

Die Geschichte des Heizkraftwerks Bochum

Das Abfahren des HKW Bochum ist zugleich der Schlussstrich unter eine bislang wenig beachtete Geschichte des industriellen Strukturwandels im Ruhrgebiet. Die Anfänge des Standortes gehen zurück bis ins Jahr 1905, als auf der Zeche Prinz Regent in Bochum-Weitmar ein erster Generator aufgestellt wurde. Die Zeche belieferte bald schon die benachbarte Schachtanlage und später auch Stahlwerke. Zwischen 1941 und 1949 entstand ein neues Kesselhaus mit fünf Hochdruckkesseln. Im Maschinenhaus fand eine Vorschaltturbine Platz. Ab 1951 belieferte die Zeche Prinz Regent die Fernheizgesellschaft Bochum Ehrenfeld.

Als die Gelsenkirchener Bergbau AG 1960 die Stilllegung der Zeche und aller vom Kraftwerk aus versorgten Schachtanlagen ankündigte, schienen die Tage des Zechenkraftwerks gezählt. Doch das geplante Opel-Werk benötigte zum Produktionsstart 1962 eine sichere und kostengünstige Dampfversorgung. Auf Drängen der Stadt kaufte VEW 1961 das Kraftwerk, erweiterte es um einen Steinkohleblock und baute eine drei Kilometer lange Fernwärmeleitung zum neuen Opel-Werk in Bochum-Laer. Binnen weniger Jahre war aus dem stromorientierten Zechenkraftwerk das Heizkraftwerk Bochum geworden.

Mit der Ansiedlung der Ruhr-Universität Bochum (RUB) gewann das HKW Bochum weitere Großkunden: 1969 übernahm es die Fernwärmversorgung der neuen Hochschule und der dazugehörigen Wohnstadt im Bochumer Süden. Ein 1976 in Betrieb genommener Gasblock mit zwei Dampf- und einem Wasserkessel machte 1979 die fünf Steinkohlekessel aus den 1940ern überflüssig.

1979 erreichten die Fernwärmeerzeugung des HKW Bochum (790.000 MWh) und die Mitarbeiterzahl (169) ihren Höchststand. Danach sank der Absatz, nicht zuletzt durch Prozessumstellungen bei Opel. Der Bau einer Fernwärmeleitung 1983 zum Veba-Steinkohlekraftwerk Shamrock in Wanne-Eickel änderte daran nichts. Zwar ermöglichte dies den Stadtwerken Bochum den Aufbau eines Fernwärmenetzes in der Bochumer Innenstadt, doch der Wärmebedarf wurde weitgehend vom Kraftwerk Shamrock gedeckt. Wegen sinkenden Absatzes und verschärfter Umweltauflagen wurde 1996 der verbliebene Steinkohleblock stillgelegt. Zusammen mit dem prägnanten Kesselhaus aus den 1940er Jahren wurde er drei Jahre später abgerissen.

Um Kosten zu sparen, legten die VEW das HKW Bochum 1996 organisatorisch mit dem Heizkraftwerk Dortmund zusammen. Mit der Einrichtung einer neuen Heizzentrale und der Installation einer neuen Dampfturbine waren ab 2003 – nun unter der Flagge der RWE Power – alle für den Betrieb erforderlichen Anlagen im Gasblock zusammengefasst. Somit konnten die Altanlagen im alten Maschinenhaus von 1905 stillgelegt werden. Durch moderne Leittechnik konnten der Betrieb und die Überwachung der Anlage fortan von Dortmund aus erfolgen. Vor Ort war nur noch eine Handvoll Handwerker erforderlich, die die Anlage instand hielten.

Mit der Schließung des Opel-Werks 2014 brach dem HKW Bochum ein wesentlicher Kunde weg. Als zum Ende des Jahres 2017 auch die RUB und die Stadtwerke Bochum ihre Fernwärmelieferverträge kündigten, hatte das HKW Bochum seine letzten Abnehmer verloren.

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