22
März
2016
|
00:00
Europe/Amsterdam

Öko-Wasser löst eine Flut von Daten aus

Foto 1: Detlef Kremer (RWE Power)

Foto 2: Udo Pelzer im Naturpark Schwalm-Nette (Christoph Wanko, Quellenangabe erbeten)

Heute ist Weltwassertag der Vereinten Nationen

RWE Power – das Unternehmen der Bergleute und Kraftwerker? Zweifellos stimmt das und ist doch nur die halbe Wahrheit: Allein im rheinischen Braunkohlenrevier sind 1.000 Mitarbeiter nur mit dem Thema „Wasser“ befasst. Darauf macht RWE Power am heutigen Weltwassertag der Vereinten Nationen aufmerksam. Zwei dieser Fachleute sind Detlef Kremer und Udo Pelzer.

Ganz nah am Wasser, oft auch direkt ins Wasser hinein baut der Jüchener Detlef Kremer (51) seine Technik: An hunderttausenden Stellen im Revier messen Sensoren unter seiner Regie Pegelstände, Durchflussmengen und Wasserqualitäten. Mit Ultraschall oder magnetisch-induktiv messen die sensiblen Fühler: Wie viel Sümpfungswasser kommt aus Brunnen WR 2020 bei Keyenberg? Welche Temperatur hat es? Wieviel liefert das Ökowasserwerk Jüchen zurzeit ins Hoppbruch? Per Mausklick kann die Betriebs-überwachung im Wasserwerk Paffendorf Messwerte abrufen und auch Anlagen steuern. Dass die Prozessleittechnik funktioniert, ist die Aufgabe von Detlef Kremers 14-köpfigem Team.

„Der Trend geht hin zur Fernübertragung: Batteriegestützte Messtechnik überträgt ihre Ergebnisse automatisch ins System“, erklärt Kremer. Die Datenflut ist kein Selbstzweck. „Sie macht unsere Arbeit transparent – auch und gerade für die Fachbehörden, die unsere Arbeit überwachen“, stellt Kremer klar. „Monitoring“* heißt das in der Sprache von Ämtern, Ministerien und Naturschutzverbänden.

Auf der Grundlage der vielen Wasser-Daten plant Kremers Kollege Udo Pelzer (54) die Technik der Wasserversorgung – für die Infiltration in Feuchtgebiete, aber auch für die Nutzung in Kraftwerken und Industriebetrieben und für die Trinkwassergewinnung. „Praktisch alles Wasser, was die Menschen im Raum zwischen Köln, Aachen und Mönchengladbach trinken, ist aufbereitetes Brunnenwasser“, erklärt der gelernte Bergvermessungstechniker. „Es ist von Natur aus sauber und meist nitratfrei und muss wie anderes Grundwasser auch lediglich von Kohlensäure, Mangan und Eisen befreit werden, ehe es als Trinkwasser ins Versorgungsnetz gepumpt werden kann.“

Pelzers Hauptaugenmerk liegt auf den Feuchtgebieten im Nordraum des Reviers. „Wir gleichen die Grundwasserabsenkung für den Tagebau dadurch aus, dass wir zum Beispiel im Knechtstedener Wald, im Südraum von Mönchengladbach und im Raum Wegberg die natürlichen Grundwasserspiegel halten und dabei auch die natürlichen Grundwasserschwankungen weiterhin zulassen.. Das heißt auch, dass wir an jeder Stelle haargenau die richtige Menge Wasser in den Boden bringen müssen“, berichtet Pelzer. Momentan lässt RWE Power jährlich über 75 Millionen Kubikmeter Wasser in die Erde versickern – ungefähr fünf mal so viel, wie die Gladbacher Bürger jährlich verbrauchen.

Über ein mehr als 160 Kilometer langes unterirdisches Netz strömt das Wasser von Jüchen und Wanlo zu den Sickerschlitzen und -brunnen. „Fast überall konnten der Charakter der Feuchtgebiete und die Artenvielfalt der Flora erhalten werden“, berichtet Pelzer. Besonders freut ihn, dass die aufwändige Technik praktisch nicht zu sehen ist.

Die Niederungen von Schwalm, Nette und Niers sind als Naturschutzgebiet Heimat zahlreicher bedrohter Tier- und Pflanzenarten – und Erholungsgebiet für die Menschen der Region. „Schlicht gesagt: eine schöne Landschaft“, bilanziert Udo Pelzer. Davon überzeugt sich der Bergheimer gerne selber bei dienstlichen Wanderungen vor Ort. Denn Sensoren und Computer-Programme, die die Schönheit einer Landschaft vollautomatisch bewerten könnten, gibt es nicht. „Will ich auch gar nicht haben“, schmunzelt Pelzer.

*http://www.bezreg-koeln.nrw.de/brk_internet/gremien/braunkohlenausschuss/monitoring*