Essen,
25
April
2018
|
17:06
Europe/Amsterdam

RWE AG

RWE Jubiläum - 120 Jahre unter Strom

  • Vom lokalen Elektrizitätswerk zum internationalen Stromversorger

Als am 25. April 1898 die Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk AG zur Versorgung der Stadt Essen gegründet wird, war Strom noch ein Luxusgut und das Unternehmen nur lokal aktiv. 120 Jahre später sieht das anders aus: Strom ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken, unsere Zukunft wird mit der Elektromobilität mehr und mehr elektrisch werden und RWE ist längst ein international tätiger Stromversorger.

Doch der Reihe nach: Das erste Kraftwerk des Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerks wurde zwischen 1898 und 1900 an der heutigen Altenessener Straße im Norden der Essener Innenstadt auf dem Gelände der Zeche Victoria Mathias errichtet. Also dort, wo derzeit der neue RWE Campus entsteht. Den ersten Strom lieferte das Kraftwerk im April 1900 – zwei 750-PS-Dampfmaschinen und jeweils ein Generator mit 500 KW waren das Herzstück des ersten Kraftwerks.

Visionärer Wegbereiter

Ein wichtiger Entscheider der ersten Stunde war Hugo Stinnes, der das Unternehmen 1902 übernahm. Der Enkel von Mathias Stinnes hatte sich in den 1890er-Jahren einen Namen als Unternehmer und Manager im familieneigenen Bergbau- und Reedereigeschäft gemacht. Stinnes liebte „große“ Lösungen und verstand es mit Verhandlungsgeschick und Durchsetzungsvermögen seine Vorstellungen zu verwirklichen. Stinnes‘ Ziel war es, mit RWE eine großräumige, effiziente und damit kostengünstige Stromversorgung im Rheinland und in Westfalen aufzubauen. Aus dem Luxusgut Strom wollte er eine bezahlbare Energie für alle machen. Von ihm stammt der Satz: „Auch der letzte Kätner im Bergischen Land soll Licht in seiner Wohnung haben – durch billigen Strom.“ Ein Wunsch, der sich bewahrheiten sollte.

Aufstieg zum Energieversorger Westdeutschlands

RWE erwarb kleine Elektrizitätswerke und begann mit der Elektrifizierung des Rheinlands. Nicht zuletzt durch die Einbindung der versorgten Kommunen als Aktionäre stieg RWE innerhalb weniger Jahre zum größten Stromversorger in Westdeutschland auf. RWE lieferte günstigen Strom, weil das Unternehmen seine Stromerzeugung auf wenige große, transportgünstig gelegene Kraftwerke konzentrierte, die über ein leistungsfähiges Netz Kommunen und die Industrie versorgten. Konsequenterweise setzte RWE daher seit der Inbetriebnahme 1914 des Goldenbergwerks in Hürth-Knapsack weitgehend auf die Verstromung von Braunkohle. Um außerdem die Wasserkräfte in Süddeutschland und den Alpen zu erschließen, baute RWE zwischen 1926 und 1930 die erste überregionale Hochspannungsleitung in Deutschland.

Schlüssel zu preiswertem Strom

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Braunkohle als Energielieferant für das deutsche Wirtschaftswunder gefragt. 1955 fuhr RWE drei neue Braunkohlenkraftwerke an, die mit Kohle aus den neu erschlossenen Tieftagebauen in der Mitte und im Norden des Reviers versorgt wurden. Die Energiekrisen der 1970er Jahre machen Deutschland die Abhängigkeit vom Erdöl schmerzlich bewusst. Um langfristig eine sichere Stromversorgung zu garantieren, setzte RWE verstärkt auf den heimischen Energieträger Braunkohle. Sechs Jahre gruben sich riesige Bagger in die Tiefe, bis 1984 die erste Kohle aus dem neuen Tagebau Hambach gefördert werden konnte.Damals wie heute investiert RWE in die Reduktion der Emissionen: Bereits in den 1980er Jahren investierte RWE Milliarden, um Schwefeldioxid und Stickoxide weitgehend aus den Kraftwerksemissionen zu verbannen. Einen großen Schritt bei der Verringerung des CO2-Ausstoßes machte RWE übrigens 2002 in Niederaußem, als erstmals ein Braunkohlekraftwerk mit optimierter Anlagentechnik (BoA) ans Netz ging. Es war der Startschuss zur Modernisierung des Kraftwerksparks, die zusammen mit der Steigerung der Flexibilität der Anlagen den CO2-Ausstoß deutlich vermindern konnte.

Beginn und Ende der Kernkraft

Ein anderes Kapitel bei RWE, das der Kernkraft, begann 1961 mit der Inbetriebnahme des Kernkraftwerks Kahl. Heute betreibt RWE noch zwei Kernkraftwerke aktiv: die Kraftwerke Emsland in Lingen und Gundremmingen. Auch sie sichern die Versorgungssicherheit in Deutschland ab. Ihre Tage sind jedoch gezählt. Denn die Reaktorkatastrophe von Fukushima führte 2012 zum Rückzug aus der Kernenergie in Deutschland: Beide Standorte werden bis 2022 vom Netz gehen und im Anschluss den sicheren Rückbau in den Fokus nehmen.

Expansion über Grenzen hinweg

Nach der Liberalisierung der Energiemärkte 1998 expandierte RWE durch Unternehmenskäufe in Großbritannien und den Niederlanden international. Heute betreibt RWE dort mit der RWE Generation Kraftwerke die Strom aus Steinkohle, Biomasse, Gas oder Wasserkraft produzieren.

Börsengang der innogy

2016 gliederte RWE die Verteilnetze, den Vertrieb sowie die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in das Tochterunternehmen innogy aus und brachte die innogy dann an die Börse. Mit 76,8 Prozent ist RWE der größte Anteilseigner.

„Zukunft. Sicher. Machen“ – dieser Leitspruch beschreibt seit 2017 das Selbstverständnis von RWE. Mit der konventionellen Stromerzeugung und dem Energiehandelsgeschäft spielt das Unternehmen eine wichtige Rolle für die Versorgungssicherheit in Europa.

Mitte März 2018 wurde dann die weitereichende Transaktion von RWE und E.ON bekanntgegeben. Mit dem Verkauf der innogy-Anteile und dem Tausch von Geschäftsfeldern mit E.ON wird RWE dauerhaft zu einem der führenden Stromerzeuger Europas. Dabei erhält RWE vor allem eine große Plattform erneuerbarer Energien. Auf einen Schlag wird RWE so zum zweitgrößten Offshore-Wind-Betreiber und zur Nummer 3 bei den erneuerbaren Energien insgesamt in Europa. Das passt ideal zum operativen Kerngeschäft, der Stromerzeugung.

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