13
April
2016
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00:00
Europe/Amsterdam

RWE Müllheizkraftwerk Karnap verbrennt Kokain

RWE hilft dem Zollfahndungsamt Essen bei Vernichtung von 60 Kilo Kokain; RWE Kraftwerk erfindet sich mit neuem Vermarktungskonzept neu

Ungewöhnlicher Besuch im Müllheizkraftwerk (MHKW) in Essen Karnap: das Zollfahndungsamt Essen. Die Mitarbeiter vom Zoll hatten rund 60 Kilo Kokain im Gepäck. Die Beamten fanden das Kokain bereits vor mehreren Wochen, verpackt in Bananenkisten und auf dem Weg zu einem Discounter. Jetzt wurde es im MHKW unter strenger Bewachung verbrannt. Der Wert der beschlagnahmten Ware belief sich auf 1,8 bis 3 Millionen Euro.

Dies war nicht der erste Auftrag, den das RWE Kraftwerk von der Zollbehörde erhalten hat. Schon in der Vergangenheit wurden Waren wie Kaffee und Zigaretten für den Zoll verbrannt. Der Zoll ist jedoch ein Exot unter den Lieferanten. Beliefert wurde das MHKW mehr als fünf Jahrzehnte von den Karnap-Städten Bottrop, Essen, Gelsenkirchen, Gladbeck und Mülheim an der Ruhr. Damit war die Kapazität der Anlage von ca. 670.000 Tonnen Müll pro Jahr nahezu ausgelastet, konnte so Fernwärme für die Region und Strom produzieren. Die maximale elektrische Leistung von 48 MW reicht aus, um rund 70.000 Haushalte zu versorgen. Mit der Fernwärme aus Karnap können ca. 15.000 - 18.000 Haushalte versorgt werden.

Als 2014 die Verträge mit allen Karnap-Städten ausliefen, war dringend ein neues Konzept erforderlich, um die Zukunft der Anlage und damit verbunden der rund 110 Arbeitsplätze zu sichern. Wie können die vier Verbrennungslinien, die zu ihrer Auslastung etwa 80 Tonnen pro Stunde benötigen, ausgelastet werden? Dieser Aufgabe stellten sich RWE Supply & Trading und RWE Generation gemeinsam und brachten Vertriebserfahrung und operatives Wissen in einem Vermarktungskonzept zusammen. Dabei konnte die Anlage besondere Vorteile in die Waagschale werfen. Ausgezeichnete Lage: Im Zentrum des Ruhrgebiets gelegen sorgen die Ost-West-Autobahnen A2 und A42 und die autobahnähnliche Bundesstraße B224 als Nord-Süd-Anbindung ebenso für eine hervorragende Anbindung wie die geringen Entfernungen zum Duisburger Binnenhafen und zum Rhein-Herne-Kanal. Da der Abfall auch aus dem benachbarten Ausland kommt, bietet der Transport per Schiff ökologische und ökonomische Vorteile.

„In der Branche hat sich schnell herumgesprochen, dass wir mit einem attraktiven Konzept am Markt sind. Einige Interessenten haben sich sogar von selber bei uns gemeldet“ erklärt Dr. Christoph Schlechter, Leiter des MHKW Karnap. Er ergänzt nicht ohne Stolz: „Inzwischen beliefern über 50 unterschiedliche Kunden das Kraftwerk.“

Und das Kraftwerksteam hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesteckt: In diesem Jahr soll die Marke von 700.000 Tonnen Müll übertroffen werden. „Unsere Angebote sind nicht nur wirtschaftlich attraktiv, sondern auch unter umweltrelevanten Aspekten sind wir Vorreiter im Markt“, betont Christoph Schlechter, der inzwischen wie seine gesamte Mannschaft wieder optimistisch nach vorne blickt.