27
Mai
2016
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00:00
Europe/Amsterdam

Sumpfohreule ist heimgekehrt

Brutpflege auf der Königshovener Höhe

Seit 1982 als regelmäßiger Brutvogel ausgestorben: Das stand bisher über die Sumpfohreule in der nordrhein-westfälischen Tierartenliste. Dieser Eintrag kann geändert werden. Denn jetzt wurde die Eule in mindestens vier Exemplaren auf der Königshovener Höhe gesichtet. „Wir haben den sehr begründeten Verdacht, dass die Tiere dort brüten“, berichtet der Vogelkundler Norbert Wolf, der die Sumpfohreulen entdeckt und fotografiert hat. Als Umweltbeauftragter der Stadt Grevenbroich ist er der Natur auch auf den rekultivierten Flächen des Tagebaus Garzweiler immer wieder auf der Spur. „Die weitläufige, von Straßenverkehr ungestörte Ackerlandschaft ist ein ideales Brut- und Jagdrevier für die Sumpfohreule“, so Wolf.

Gregor Eßer, Naturschutzbeauftragter von RWE Power, gratulierte seinem Kollegen zu dem Nachweis. „Wir hatten Sumpfohreulen bisher höchstens als Wintergast aus arktischen Regionen angetroffen. Dass sie jetzt auf der Höhe Nachwuchs aufziehen, ist für uns Artenschützer eine kleine Sensation.“

Norbert Wolf war eher zufällig auf die seltene Eule aufmerksam geworden: „Krähen scheuchten eine Eule vom Boden auf, wo sie brütete. Eulen und Krähen sind zwar keine Nahrungskonkurrenten, wohl aber von Natur aus feindselig aufeinander.“ Sumpfohreulen ernähren sich von Wühl-, Feld- und Spitzmäusen. Die wiederum schätzen die ausgedehnten Luzerne-Kulturen der jungen Rekultivierung, weil diese zahllose Insekten und damit Futtertiere anzieht.

Norbert Wolf hat seit 2008 genau 141 verschiedene Vogelarten in dem Rekultivierungsgebiet nachgewiesen. Darunter sind viele selten und ökologisch sensible Arten, wie diverse Weihen, der Steinschmätzer, Schwarzkehlchen, Bienenfresser, Neuntöter und Grauammer. „Die Tiere sind dort nicht trotz RWE, sondern wegen RWE. Die Rekultivierung der Königshovener Höhe zeigt eine große Artenvielfalt, die man dem landwirtschaftlichen Gepräge der Hochfläche nicht ansieht“, erklärt Norbert Wolf. Davon überzeugten sich zuletzt auch die 32 Teilnehmer einer Exkursion, zu der Gregor Wolf am Sonntag, 22. Mai, dem Internationalen Tag der Artenvielfalt, auf die Königshovener Höhe eingeladen hatte.