29
Oktober
2014
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00:00
Europe/Amsterdam

Von 0 auf 540 in 45 Minuten: RWE Generation verbessert Schnellstartfähigkeit der GuD-Anlage in Lingen

Wichtig für die Unterstützung der Netzstabilität

Nach der Umsetzung technischer Optimierungen setzt die GuD-Anlage der RWE in Lingen neue Maßstäbe: In nur 45 Minuten können nun die der Dampfturbine vorgeschalteten Gasturbinen aus dem kalten Zustand heraus auf volle Leistung hochgefahren werden. Somit können sehr kurzfristig 540 MW, das entspricht etwa zwei Drittel der gesamten Blockleistung, dem Strommarkt zur Verfügung gestellt werden. Das hat die Anlage jetzt bei einem Schnellstart nach mehrtägigem Anlagenstillstand unter Beweis gestellt. „Weltweit nehmen wir damit eine Spitzenposition ein“, berichtet Kraftwerksleiter Dr. Heinz-Jürgen Wüllenweber. „Mein Dank gilt der gesamten Mannschaft für die perfekte Umsetzung aller dazu notwendigen Arbeiten in den letzten Wochen und Monaten.

Realisiert wurden die Verbesserungen durch Optimierung sowohl der Leittechnik und den Umbau der Anlage während der Sommermonate, in denen die erst 2009 in Betrieb genommene GuD-Anlage aus wirtschaftlichen Gründen konserviert war. Die Gasturbinen wurden so verändert, dass sie von nun an auch ohne den nachgelagerten Dampfkreislauf betrieben werden können. Bisher waren für das Anfahren der 900 MW-Gesamtanlage, bestehend aus Gasturbinen und Dampfkreislauf rund 3,5 Stunden zu veranschlagen. Während der Sommerkonservierung ist zudem eine umfangreiche Turbinenrevision vorgenommen worden.

„Auch in den Kraftwerksblöcken B und C steht uns während der Sommermonate mit den vier hochmodernen Vorschaltgasturbinen eine kurzfristig einsetzbare Reserve zur Verfügung“, so Wüllenweber. Das Stromnetz kann bei Bedarf blitzschnell mit einer Einspeisung von maximal 232 Megawatt gestützt werden. Da Netzschwankungen wegen des Ausbaus der volatilen Erneuerbaren Energien sowohl in ihrer Stärke als auch in der Häufigkeit vermehrt auftreten, steigt die Bedeutung flexibler und schneller Kraftwerke.

Das Bereithalten von Kraftwerken für den Anforderungsfall hat jedoch seinen Preis. Das derzeitige Strommarktdesign sieht aber nur die Bezahlung von produziertem Strom vor. Die hohe Qualität der Stromversorgung Deutschlands kann in Zukunft nicht nur durch technische Verbesserungen in den Kraftwerken gesichert werden. „Der Handlungsbedarf ist groß. Wir brauchen einen dezentralen Leistungsmarkt, mit dem das Vorhalten gesicherter Kraftwerkskapazität honoriert wird, damit hochmoderne Kraftwerken wie in Lingen die Energiewende unterstützen können“, erläutert der Kraftwerksleiter.