Köln,
24
Februar
2017
|
11:56
Europe/Amsterdam

Wasservögel im Winter

Wurde die Blauflügelente vom Westwind über den Atlantik geweht?

Zusammenfassung

Ökologische Sensation am Boisdorfer See bei Frechen

Zahlreiche Wasservögel überwintern in der Rekultivierung

Spaziergänger in den Rekultivierungsgebieten zwischen Brühl und Kaster kennen den Anblick: Viele hundert Wasservögel nutzen die vom Braunkohlenabbau hinterlassenen Seen als Winterquartier. Die Gewässer sind wegen ihrer Größe und Gestaltung für viele Arten optimal geeignet, und das nicht nur Stockente, Blässhuhn, Höckerschwan und Kanadagans. Auch sehr seltene Arten kommen in großen Stückzahlen vor, wie Krickente, Moorente, Schellente, Schnatterente und Pfeifente. Das meldet die Forschungsstelle Rekultivierung in Elsdorf, die von RWE Power und dem Kölner Büro für Faunistik betrieben wird.

„Die Vögel überwintern hier und ziehen im Frühjahr wieder zu ihren Brutgebieten nach Ostdeutschland und Nordeuropa“, berichtet Gregor Eßer, Leiter der Forschungsstelle und Naturschutzbeauftragter von RWE. „Eine Besonderheit sind Reiherente und Tafelente, die zurzeit ebenfalls mit vielen hundert Exemplaren die Gewässer besiedeln. Einige Vögel bleiben auch nach dem Winter im rheinischen Revier und brüten hier. Das ist extrem selten. Die Tiere scheinen bei ihrem Winteraufenthalt die Naturnähe der rekultivierten Gewässer mit der Zeit schätzen gelernt zu haben.“

Die Forschungsstelle macht in diesem Jahr die ökologische Bedeutung der rekultivierten Gewässer zu ihrem Leitthema. Neben den Winter- und Rastvögeln kartieren Ökologen ab dem Frühjahr Brutvögel, Libellen und Amphibien. Auf diese Weise soll die enorme Bedeutung dieser Lebensräume für die Biodiversität erstmalig sehr umfassend dokumentiert werden. „Außerdem wollen wir Planungshinweise für zukünftige Gewässer ableiten“, berichtet Gregor Eßer. Die Biologen Horst Klein und Dr. Ulf Schmitz unterstützen ihre Fachkollegen in der Forschungsstelle ebenso wie die ehrenamtlichen Naturschützer Hermann Schmaus, Dieter Commer und Norbert Wolf. Eßer: „Nur in guter Zusammenarbeit lassen sich die Artenvielfalt und ihre Bedeutung für die gesamte Rekultivierung adäquat nachweisen.“

In den ersten Monaten konnten die Fachleute bereits einige ökologische Besonderheiten nachweisen. „Wir haben an verschiedenen Gewässern die vom Aussterben bedrohte Rohrdommel als Wintergast beobachtet. Nicht weniger spektakulär sind auch die Sichtungen von Zwergsäger und Silberreiher“, berichtet Eßer. Eine wirkliche ökologische Sensation konnten Schmaus und Commer mit dem Nachweis der Blauflügelente am Boisdorfer See in der Rekultivierung des Tagebaus Frechen erbringen. Diese eigentlich in Nordamerika beheimatete Art kann seit November dort beobachtet werden. Die Ornithologen vermuten, dass das hier angetroffene männliche Tier durch starke Westwinde nach Europa verdriftet wurde und sich nun den hier vorkommenden Entenpopulationen angeschlossen hat. Norbert Wolf, Umwelt­beauftragter der Stadt Grevenbroich und Ornithologe, hält es für wahrscheinlicher, dass die Ente einem privaten Vogelliebhaber entwichen ist. Wie auch immer: Seit Bekanntmachung des Fundes im Internet (ornitho.de) pilgern Ornithologen aus ganz Deutschland an das Rekultivierungsgewässer bei Frechen, um die Wildente zu beobachten. Neulich gab es sogar Besuch von einem Vogelexperten aus Helgoland.