Köln/Essen,
15
März
2019
|
13:34
Europe/Amsterdam

RWE Power AG

Wegweisendes Pilotprojekt: Im Rheinischen Revier entsteht ein Wärmespeicherkraftwerk

  • Gemeinsame Planung von RWE Power, DLR und FH Aachen
  • Flüssigsalz-Anlage integriert erneuerbare und konventionelle Energieträger und schafft Perspektive für Kraftwerksstandorte
  • Land NRW fördert Planung mit 2,9 Millionen Euro

Mehrere tausend Tonnen heißer Salzschmelze helfen bald dabei, unregelmäßig anfallenden Strom aus regenerativen Energien in großem Stil zu speichern: Zusammen mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der FH Aachen plant RWE Power ein Pilotprojekt zur Energiespeicherung auf Flüssigsalz-Basis. Dabei wird ein bestehendes Kohlekraftwerk im Rheinischen Revier zu einem Wärmespeicherkraftwerk umgerüstet.

Das Land NRW unterstützt den Projektvorschlag und hat ihn als Leitprojekt in das Sofortprogramm „Das Rheinische Zukunftsrevier“ aufgenommen. Für die Planungsarbeiten zur ersten Anlage dieser Art stellt NRW im Rahmen seines Förderprogramms „progres.nrw“ 2,9 Millionen Euro bereit. Zudem beabsichtigen die Projektpartner, eine Förderung durch den Bund für die Realisierung zu beantragen.

Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen: „Das geplante Wärmespeicherkraftwerk ist ein herausragendes Leitprojekt für das Rheinische Zukunftsrevier. Durch die Nutzung der vorhandenen Infrastruktur wird ein wichtiger und nachhaltiger Beitrag für die Speicherung erneuerbarer Energien und zur Versorgungssicherheit geleistet. Zudem werden wichtige Impulse für Wertschöpfung und Beschäftigung in der vom Strukturwandel betroffenen Region gegeben.“

„Das Projekt hat großes Potenzial – nicht nur mit Blick auf Energiewende und Versorgungssicherheit, sondern auch für den Strukturwandel im Rheinischen Revier“, betont Dr. Lars Kulik, Vorstandsmitglied der RWE Power. „Wenn sich die Technik bewährt, könnten Wärmespeicher ebenso dazu beitragen, dass unsere Kraftwerksstandorte in der Region auch nach Ende der Kohleverstromung eine wichtige Rolle in der Energieversorgung spielen.“

Und so funktioniert ein Wärmespeicherkraftwerk: In einem elektrischen Erhitzer wird mit überschüssigem Strom flüssiges Salz auf bis zu 600 Grad aufgeheizt und dann in einem Tank gespeichert. Bei erhöhtem Strombedarf wird diese Salzschmelze zur Dampferzeugung über einen Wärmetauscher geleitet. Das Salz kühlt dabei auf 250 bis 300 Grad ab und wird in einem weiteren Tank zwischengespeichert. Der dabei entstehende Dampf wird zur Stromerzeugung in die Turbine des Kraftwerkblocks eingespeist. Dort ersetzt er einen Teil der ansonsten mit Braunkohle erzeugten Dampfmenge. Mit dem fortschreitenden Ausbau der erneuerbaren Energien kann die Kapazität des Wärmespeichers schrittweise erweitert und damit im Gegenzug der Einsatz von Braunkohle weiter verringert werden. Nach dem Auslaufen der Kohleverstromung kann das Wärmespeicherkraftwerk vollständig mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Indem es Schwankungen bei der Einspeisung aus regenerativen Energien ausgleicht, leistet es einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit.

Dazu sagt Prof. Dr.-Ing. Karsten Lemmer, DLR-Vorstand für die Bereiche Energie und Verkehr:

„Mit Blick auf die Versorgungssicherheit muss das Energiesystem auf allen Ebenen stark flexibilisiert werden, um Stromerzeugung und -nachfrage auch bei hohen Anteilen schwankender Erzeugung erneuerbarer Energien aufeinander abzustimmen. Dazu gehört auch die Kopplung der Sektoren Strom, Wärme und Verkehr. Dabei sind Energiespeicher für eine bedarfsgerechte Energieversorgung unerlässlich und ermöglichen es, Kohlekraftwerke schon mittelfristig zu Speicherkraftwerken umzubauen.“

Zitat Prof. Dr.-Ing. Ulf Herrmann, Solar-Institut Jülich der FH Aachen sagt: „Das Solar Institut Jülich hat die Idee des Wärmespeicherkraftwerks in den letzten Jahren in mehreren Forschungsprojekten vorangetrieben, und wir sind nun hoch motiviert, bei der Realisierung dieses zukunftsweisenden Projektes mit enormer regionaler Bedeutung mitwirken zu können.“

Der genaue Standort für die Pilotanlage steht noch nicht fest, wird aber im Rheinischen Revier liegen. Dortige Kraftwerke sind besonders geeignet, da sie bereits über einen Netzanschluss und notwendige Infrastruktur, wie z. B. Turbinen, Generatoren, Transformatoren und Kühltürme, verfügen. Das spart Zeit und Kosten. Etwa Anfang der 2020er Jahre könnte mit dem Bau der Anlage begonnen werden.